Renovierung

Fortschritte bei den Sanierungsarbeiten
Evangelische Stiftskirche: Verantwortliche informierten über den Stand der Baumaßnahmen

WERTHEIM. Noch ist die Arbeit nicht vollendet, aber der Anker, der Rettungsanker sozusagen, ist gesetzt. Eine gute Gelegenheit für Dekan Hayo Büsing, Bauleiter Michael Bannwarth vom Architekturbüro Bannwarth & Ludwig und Hermann Förstel, der in der evangelischen Kirchengemeinde deren Bauausschuss leitet, über den Stand der Sanierung an der Westfassade der Stiftskirche zu informieren (wir berichteten).

Dort wurden in den vergangenen Tagen entscheidende Fortschritte gemacht, auch wenn der Dekan mit, von Erfahrung geprägtem Fatalismus feststellt, "mit jeder gelösten Frage tauchen drei neue auf". Kaum ist man an einer Stelle fertig, muss an einer anderen weitergemacht werden. Nun sind Risse im Mauerwerk oder abgeplatzter Putz an einem Gebäude, das mehr als 625 Jahre auf dem Buckel hat, durchaus nichts Ungewöhnliches. Schon im Jahr 2005 wurde um den Chorraum und das Langschiff des Gotteshauses ein Ringanker gelegt. "Das war wie ein Gürtel", erläutert Architekt Bannwarth. "Allerdings war der noch offen. Die Hose hat trotzdem gehalten."

Im vergangenen Jahr sei an der Innenseite des Fassadenfensters an der Westseite der Kirche zur Mühlenstraße hin ein Stein nach unten gerutscht, hatten die Verantwortlichen schon bei einem früheren Termin gegenüber den Fränkischen Nachrichten erläutert. Der dadurch entstandene Riss reichte nach unten durch das Fenster und nach oben bis zur Decke. Spätestens dieser Riss habe gezeigt, "dass etwas getan werden muss", so Bannwarth jetzt. "Nach dem sichtbaren Auftreten dieses Schadens haben wir unsere bisherige vornehme Zurückhaltung aufgegeben", ergänzt Büsing.

Ein Dringlichkeitsantrag bei der Badischen Landeskirche wurde gestellt und diesem stattgegeben. Dennoch hatte es noch einmal fast ein Jahr gedauert, bis alle Planungen und Formalitäten erledigt waren und die Handwerker an die Arbeit gehen konnten. Die schadhafteste Stelle wird erneut mit einem Anker stabilisiert. "Der schon erwähnte Gürtel wird damit sozusagen geschlossen", beschreibt der Architekt dessen Funktion. "Wir können das Mauerwerk damit zwar nicht zusammenpressen, es aber in der Position halten, in der es jetzt ist."

Alleine drei Tage dauerten die Bohrarbeiten, bevor der Anker gesetzt werden konnte. Ursprünglich war für diese Arbeit ein Tag angesetzt gewesen, doch erwies sich der Stein, der durchdrungen werden musste, als deutlich härter als erwartet. Mit bis zu 30 Kilonewton wird der Anker nun gespannt. Weitere Risse werden mit Nadelankern gesichert, schadhafter Putz wird abgenommen, um ein Herunterfallen zu verhindern.

Auch waren, so die Erläuterungen der Fachleute, mehr Sandsteinarbeiten notwendig als gedacht. Als letzter Schritt wird ein neuer Putz aufgebracht. Da dieser dann erst wieder trocknen muss, könnte dies dazu führen, dass das Gerüst an der Westfassade der Stiftskirche nicht, wie eigentlich gedacht und erhofft, bis zur Michaelis-Messe abgebaut werden kann. "Es wird auf jeden Fall sehr, sehr knapp mit der Zeit", meinte Michael Bannwarth dazu. Auf rund 130000 Euro werden die Kosten für die derzeit laufende Maßnahme geschätzt.

Aber das ist noch nicht alles. Weitere Schäden an Chor und Langhaus müssen in einem späteren Bauabschnitt, der noch nicht terminiert ist, beseitigt werden. Dafür muss mit noch einmal bis zu 370000 Euro kalkuliert werden. Eine Menge Geld, das, bei aller Unterstützung durch die Badische Landeskirche, Denkmalschutzbehörden, die Stadt Wertheim und zahlreiche Spenderinnen und Spender an der Evangelischen Kirchengemeinde "hängenbleibt". Zumal wenn man bedenkt, was im zurückliegenden Jahrzehnt alles gemacht worden ist und noch gemacht wird.

Doch die Stiftskirche ist es dem Eigentümer wert, handelt es sich bei dieser doch nicht nur um ein Gotteshaus und ein herausragendes Denkmal der Stadt Wertheim, sondern auch um einen wichtigen geistlichen Ort, der, unterstreicht Dekan Büsing, im Jahr rund 100000 Besucher anzieht. ek

Bild 1: Noch steht nicht fest, ob das Gerüst an der Stiftskirche zur Mühlenstraße hin bis zum Beginn der Michaelis-Messe abgebaut werden kann. Erst müssen die Arbeiten abgeschlossen und der aufzubringende Putz getrocknet sein. © Kellner

Bild 2: Über den Stand der Sanierungsarbeiten an der Westfassade der Stiftskirche informierten in einem Pressegespräch Architekt Michael Bannwarth, Dekan Hayo Büsing und der Leiter des Bauausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Wertheim, Hermann Förstel (von rechts).

© Kellner ¦ © Fränkische Nachrichten -15.08.2013


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